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Borreliose durch Zecken: Übertragung, Symptome, Verlauf, Prognose, Therapie

Herbstzeit ist Zeckenzeit. Die hinterhältigen kleinen Blutsauger lauern allenthalben im Gebüsch und warten auf ein potenzielles Opfer. Ihr Biss ist eigentlich schon unangenehm genug. Wesentlich schlimmer ist jedoch die Tatsache, dass mit ihrem Speichel auch Krankheitserreger übertragen werden können. Diese führen zu sehr langwierigen, teils sogar lebensbedohlichen Infektionen.

Neben der Frühsommermeningoenzephalitis ist in unseren Breiten die Lyme-Borreliose die wichtigste.

Übertragung der Borreliose

Überträger

Borrelien Bakterien im Blut / bigstockphoto.com/ Copyright: Kateryna Kon

Bei uns erfolgt die Übertragung meistens durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus).

Der hoch entwickelte Stechapparat dieser Zecke besteht aus zwei Kieferklauen (Cheliceren) und einem zungenartigen Stechrüssel (Hypostom). Das Tier öffnet mit den Cheliceren die Haut des Opfers und saugt mit dem Hypostom das austretende Blut auf.

Mit Widerhaken setzt sich die Zecke an ihrem Opfer fest. Ihr Speichel enthält Substanzen die eine besonders lange Blutmahlzeit ermöglichen: ein Betäubungsmittel, damit der Stich unbemerkt bleibt, sowie blutgerinnungshemmende Substanzen, die die Wunde offen halten. Die Zecke schwillt durch das Blut auf ein Vielfaches ihrer normalen Körpergröße an.

Erreger

Bei Borrelien handelt es sich um gramnegative, schraubenförmige Bakterien, die zu den Spirochäten zählen. Auslöser der Borreliose ist Borrelia burgdorferi, benannt nach Wilhelm Burgdorfer, der erst 1982 den bakteriellen Ursprung der Krankheit erkannte. Die Borrelien sitzen im mittleren Darmabschnitt der Zecken und werden beim Saugen erst relativ spät übertragen. Daher ist es wichtig, eine Zecke möglichst frühzeitig zu entfernen, um das Borreliose-Risiko klein zu halten. Vor allem Nagetiere bilden ein natürliches Reservoir, aus dem Borrelien in Zecken gelangen.

Infektionsrisiko

Nicht alle Zecken enthalten Borrelien. Nach Schätzungen ist das nur bei 5-35 % Prozent der Fall. Bei einem Zeckenstich liegt die Übertragungswahrscheinlichkeit bei 1,5-6 %.

Nur ein Bruchteil der Infizierten erkrankt tatsächlich, da die körpereigene Immunabwehr die Erreger meistens in Schach halten kann. Daher sind bei einem Viertel aller Menschen Antikörper nachweisbar, obwohl sie niemals an Borreliose litten. Letztlich erkranken nur 0,5-1,5 % der von einer Zecke gestochenen Personen.

Das Infektionsrisiko unterliegt großen regionalen Unterschieden. In der Bundesrepublik nimmt das Infektionsrisiko von Westen nach Osten und von Norden gegen Süden zu. Die Zahl der Betroffenen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Aktuell rechnet man mit etwa 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr.

Symptome und Verlauf der Borreliose

Stadium I (Frühstadium)

Erste Krankheitszeichen treten erst nach Tagen oder Wochen auf. Sie sind vielfältig und teilweise eher unspezifisch. Die grippeähnlichen Symptome umfassen Abgeschlagenheit, Fieber, geschwollene Lymphknoten, rasende Kopfschmerzen sowie schmerzende Muskeln (Myalgien) und Gelenke (Arthralgien).

In 50-70 % der Fälle verrät sich die Borreliose durch die typische Wanderröte (Erythema migrans).

Diese scharf abgegrenzte kreis- oder ringförmige Hautrötung beginnt an der Einstichstelle und breitet sich immer weiter aus. Ohne Erythem bleibt eine Borreliose oftmals unerkannt.

Stadium II (Streustadium)

Wochen bis Monate nach der Infektion treten weiterhin grippeähnliche Symptome auf, aber zusätzlich weitet sich die Erkrankung auf Nervensystem oder Herz aus. Daher unterscheidet man Neuroborreliose und Herzborreliose.

Zusätzlich können sich Teile des Auges entzünden (vor allem Uveitis).

In seltenen Fällen kommt es zu einer Lymphoplasie mit Flecken an der Haut von Ohrläppchen, Genitalien und/oder Brustwarzen (Lymphadenosis cutis benigna).

Neuroborreliose

Ausgehend vom Rückenmark entzünden sich Nervenwurzeln und Hirnhäute (Meningopolyneuritis, Bannwarth-Syndrom).

Auch einzelne Nerven können betroffen sein, vor allem der die mimische Muskulatur innervierende Fazialisnerv (Nervus facialis). Das Gesicht wird dadurch gelähmt und oft hängt ein Mundwinkel herab (Facialisparese).

Herzborreliose

Bei der Herzborreliose kommt es zu Herzrhythmusstörungen, da sich Herzmuskel und Herzbeutel entzünden (Myokarditis, Perikarditis).

Stadium III (Spätstadium)

Monate bis Jahre nach dem Zeckenstich tritt das sehr schwere Spätstadium ein. Es ist durch weitere Beteiligung des Nervensystems und zunehmende Gelenkentzündungen gekennzeichnet, die sogenannte Lyme-Arhtritis.

Diese betrifft sehr oft das Knie, aber auch andere Gelenke. Die Nervenschädigungen werden so schwerwiegend, dass es zu Lähmungserscheinungen (Paresen) kommt (progressive Enzephalomyelitis).

Prognose der Borreliose

Zecke in der Macro-Ansicht / bigstockphoto.com/ Copyright: Steven Ellingson

Die Lyme-Borreliose ist ausgesprochen unangenehm, aber nicht wirklich lebensbedrohend. Bei rechtzeitiger Behandlung heilt sie komplikationslos aus.
Erfolgt die Diagnose erst spät, wird die medizinische Versorgung zusehends schwieriger, sodass man in einigen Fällen von einer Therapieresistenz spricht.

Einmal aufgetretene Schädigungen an Nerven und Gelenken sind irreversibel und lassen sich nicht mehr kurieren. Trotz der gebildeten Antikörper besteht keine Immunität, sodass jederzeit eine Neuinfektion möglich ist.

Therapie der Borreliose

Da es sich bei der Lyme-Borreliose um eine bakterielle Infektion handelt, kann im frühen Stadium eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen.

Diese werden als Tabletten oder mittels Injektion verabreicht. Bis ein Behandlungserfolg nachweisbar ist, kann es mehrere Wochen oder Monate dauern. Im Stadium I werden vor allem Doxycyclin oder Amoxicillin (bei Kindern und Schwangeren) über 2-4 Wochen gegeben. In den späteren Stadien verwendet man hoch dosiertes Penicillin oder Ceftriaxon.

Eine Impfung ist bisher nicht möglich.
Bisweilen wird eine prophylaktische Antibiotikagabe empfohlen oder man soll die entfernte Zecke auf Borrelien untersuchen lassen. Beides ist wenig sinnvoll.

Antibiotika-Prophylaxen sind grundsätzlich widersinnig, und selbst wenn in der Zecke Borrelien nachweisbar sind, heißt das noch lange nicht, dass eine Infektion vorliegt. Wesentlich sinnvoller sind prophylaktische Maßnahmen.

Nach Wanderungen oder Waldspaziergängen sollte man den Körper auf Zecken absuchen. In Gefahrengebieten sorgen lange Ärmel und lange Hosen dafür, dass die Zecken erst gar nicht an die Haut gelangen.

Weiterführende Infos im Internet:

https://www.zeckenstich.net/
http://www.zeckenstich.net/symptome.html
https://www.zeckenstich.net/borreliose.html

Autor des Beitrags: Dr. rer. medic. Harald Stephan, M. Foerster,

Literatur:
Norbert Satz: Klinik der Lyme-Borreliose. Verlag Hans Huber, 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, 2013. ISBN 978-3-456-84763-4

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