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Cannabis Bei Krebs: Wann Cannabinoide Und Cannabis Sinn Machen

Cannabis bei Krebs: Wann Cannabinoide und Cannabis Sinn machen

Cannabinoide, die Wirkstoffe der Cannabis-Pflanzen

Cannabinoide sind chemische Verbindungen, die sich in großer Vielfalt in der Hanfpflanze (Cannabis sativa und indica) finden. Die bekanntesten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). Cannabinoide haben einen besonderen Bezug zu unserem Nervensystem. Dies hängt mit dem sogenannten Endocannabinoid-System zusammen. Das Endocannabinoid-System ist ein Teil unseres Nervensystems und umfasst die sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren. Dies sind Rezeptoren, die durch Cannabinoide beeinflusst werden können. Über diese Rezeptoren können Cannabinoide zentrale Funktionen in unserem Körper beeinflussen. Dazu zählen:
– Immunsystem,
– Lernprozesse,
– Schlafqualität,
– Schmerzwahrnehmung,
– Appetit,
– Ängste und
– negative Erinnerungen.[1]

Aufgrund dieser vielfältigen Wirkungen auf Körperfunktionen ist es verständlich, dass Cannabinoide als wichtige potentielle Heilmittel angesehen werden. So wurden Cannabinoide mit unterschiedlichen Erfolgen mittlerweile unter anderem bei Bewegungsstörungen beim Morbus Parkinson oder der multiplen Sklerose, bei Nervenschäden, bei verschiedenen Schmerzen, bei krampfhaften Leiden und als Nervenschutz bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt.[2]

Auch Krebspatienten können bei verschiedenen Beschwerden von den vielseitigen Wirkungen der Cannabinoide profitieren. Deshalb sind Cannabinoide und Cannabis mittlerweile schon feste Bestandteile der komplementären Krebstherapie.

Beschwerden von Krebspatienten mit Cannabinoiden lindern

Das Hauptaugenmerk der schulmedizinischen Krebstherapie liegt in erster Linie auf der Elimination der Tumormasse. Die dafür eingesetzten Therapien, allen voran die Chemo- und die Strahlentherapie, können mit erheblichen Nebenwirkungen einhergehen. Zudem können Krebspatienten unter Beschwerden leiden, die vom Krebs selbst verursacht sind. Um die Lebensqualität des Patienten zu erhalten, ist es wichtig, sowohl die Nebenwirkungen der Krebstherapie als auch die krebsbedingten Beschwerden zu behandeln. Auch wenn hierbei von Seiten der Schulmedizin Fortschritte gemacht wurden, leiden immer noch viele Krebspatienten an Nebenwirkungen und Beschwerden. Cannabinoide können hier Abhilfe verschaffen.[3][4]

Schmerzen

Cannabis-Krebs-Schmerzen

Die Wirkung von Cannabis und Cannabinoiden bei Krebsschmerzen ist gut erforscht.

Cannabinoide werden seit Jahrhunderten mit Erfolg bei verschiedenen Arten von Schmerzen eingesetzt. Dazu zählen zum Beispiel Migräne, Menstruationsbeschwerden, Nervenschmerzen oder Wehen. Kein Wunder, dass die Forscher sich auch für den Nutzen von Cannabis bei der Behandlung von Krebsschmerzen interessierten.
Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf die Wirkung von Cannabinoiden auf die Behandlung von Nervenschmerzen gesetzt. Diese können als Nebenwirkungen von Krebstherapien (zum Beispiel in Form der Polyneuropathie) oder des Tumorwachstums auftreten. 29 aussagekräftige klinische Studien liegen mittlerweile zu dieser Thematik vor. Sie betätigen, dass Cannabinoide bei Nervenschmerzen wirksam sind und in der Regel gut vertragen werden.[5][6] In gewissen Regionen der Erde werden sie deshalb schon standartmäßig bei der Behandlung von Nervenschmerzen bei Krebs eingesetzt. Dies wird mittlerweile auch von der Kanadischen Schmerz-Gesellschaft empfohlen.[7]

Übelkeit und Erbrechen

Die Wirkung von Cannabinoiden bei Übelkeit und Erbrechen ist äußerst gut belegt. Dies gilt insbesondere, wenn diese in Zusammenhang mit einer Chemotherapie auftreten.[8][9] Über den möglichen Nutzen von Cannabinoiden bei Übelkeit und Erbrechen als Folge einer Strahlentherapie liegen nur wenige Erkenntnisse vor. Da Cannabinoide jedoch auch in diesem Falle gut vertragen werden, ist deren Einsatz auch bei Strahlentherapie ein Versuch wert.[10]

Appetitlosigkeit

Über eine Stimulierung des Endocannabinoid-Systems beeinflussen Cannabinoide auch den Appetit. Das kann bei Krebspatienten hilfreich sein, die aufgrund der Krebstherapien an Appetitlosigkeit leiden. Diese rechtzeitig zu behandeln, ist von entscheidender Bedeutung. Sonst kann es zu Mangelernährung und Auszehrung kommen. Beide gehen mit gravierenden Folgen für den Patienten einher. Cannabinoide können auch bei Appetitlosigkeit bei Krebspatienten hilfreich sein. Dafür sprechen bisherige Erfahrungsberichte, Studien mit Patienten, die an anderen Erkrankungen litten, und einzelne Studien mit Krebspatienten.[11][12][13]

Depressive Verstimmungen und Ängste

Depressive Verstimmung und Ängste sind weitere Beschwerden von Krebspatienten, die mit Cannabinoiden behandelt werden können. Hierfür liegen bereits einzelne Studienergebnisse mit Patienten, die an anderen Erkrankungen litten, vor.[14]

Können Cannabinoide Krebs heilen?

Cannabinoide wurden bisher vor allem eingesetzt, um Beschwerden zu lindern. Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre ließen aber aufhorchen. So konnte zunächst im Labor gezeigt werden, dass Cannabinoide verschiedene Krebszellen zum Absterben bringen.[15][16][17] Dazu kommen die vor allem im Internet viel verbreiteten Berichte über Wunderheilungen mit Cannabis-Öl oder anderen Cannabis-Produkten.
Dass Cannabinoide das Wachstum von Tumoren einschränken können, ist zumindest plausibel. Die Ergebnisse aus Laborversuchen lassen sich jedoch nicht so einfach auf die Therapie von Menschen übertragen. Bisher gab es erst eine sehr kleine klinische Studie, die die Auswirkungen von Cannabinoiden auf das Krebswachstum bei Patienten mit Glioblastomen untersucht hat. Das Tumorwachstum konnte bei einzelnen Patienten zwar verlangsamt werden, trotzdem sind alle Patienten an der Krebserkrankung gestorben.[18] Weitere Forschungen zu diesem Thema sind geplant, wobei der Fokus vor allem auf der Behandlung von Krebserkrankungen des Nervensystems liegt.[19] So laufen aktuell fünf klinische Studien mit Krebspatienten, bei denen die Sicherheit aber auch die Wirksamkeit von Cannabinoiden auf die Prognose von Krebserkrankungen untersucht wird.[20]

Besonders das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) scheint hierbei interessant zu sein. So hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde CBD aufgrund der positiven Forschungsergebnissen als sogenannte Orphan Drug bei Glioblastomen eingestuft. Substanzen, die als Orphan Drug geführt werden, können ein verkürztes Zulassungsverfahren durchlaufen. Ein CBD-haltiges Krebsmedikament kann dadurch rasch auf den Markt kommen. Experten schätzen, dass schon 2023 Medikamente mit CBD bei schwer behandelbaren Krebserkrankungen wie dem Glioblastom eingesetzt werden.

Wie Cannabinoide richtig einsetzen

Cannabis-Krebstherapie

Mittlerweile ist medizinisches Cannabis auf Rezept in Apotheken erhältlich.

Zur Behandlung von Nebenwirkungen können Cannabinoide entweder isoliert oder in Form von Cannabis eingenommen werden. Die letztere Variante ist aus verschiedenen Gründen zu bevorzugen. Zum einen wirken Cannabinoide im natürlichen Verbund mit anderen Wirkstoffen der Cannabispflanze besser. Zum anderen können die Kosten für Cannabis seit dem 10. März 2017 bei schweren Fällen von der Krankenkasse übernommen werden. Hierfür ist ein Arztrezept notwendig. Bis jetzt haben erst wenig Ärzte Erfahrung mit dem Rezeptieren von Cannabis. Patienten ist daher anzuraten, sich vor dem Arztbesuch Informationen einzuholen. Hilfreich ist hierfür unser Artikel “Cannabis auf Rezept. So übernimmt die Krankenkasse die Kosten.“.
Cannabis macht vor allem bei Nervenschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen Sinn. Wie sieht es mit der Behandlung der Krebserkrankung selbst aus? Da entsprechende Daten fehlen, kann nicht vorbehaltslos zur Einnahme von Cannabis-Produkten geraten werden, um das Krebswachstum zu stoppen. Eine Ausnahme sind unserer Ansicht nach Hirntumore mit schlechter Prognose. Ein solches Vorgehen sollte aber mit dem Arzt besprochen werden.

Ein Beitrag von Heilpraktikerin Anne Wanitschek

Anne Wanitschek, Heilpraktikerin in Berlin

Quellenangaben:

[1] Mechoulam R, Parker LA. The endocannabinoid system and the brain. Annu Rev Psychol. 2013;64:21-47.
[2] Mechoulam R. Plant cannabinoids: a neglected pharmacological treasure trove. Br J Pharmacol. 2005 Dec;146(7):913-5.
[3] Guindon J, Hohmann AG. The endocannabinoid system and cancer: therapeutic implication. Br J Pharmacol. 2011 Aug;163(7):1447-63
[4] Maida V, Daeninck PJ. A user’s guide to cannabinoid therapies in oncology.
Curr Oncol. 2016 Dec;23(6):398-406
[5] Lynch M, Campbell F. Cannabinoids for treatment of chronic, non-cancer pain: a systematic review of randomised trials. Brit J Clin Pharmacol. 2011;72:735–44
[6] Lynch M, Ware MA. Cannabinoids for the treatment of chronic non-cancer pain: an updated systematic review of randomized controlled trials. J Neuroimmune Pharmcol. 2015;10:293–301
[7] Moulin D, Boulanger A, Clark AJ, et al. on behalf of the Canadian Pain Society Pharmacological management of chronic neuropathic pain: revised consensus statement from the Canadian Pain Society. Pain Res Manag. 2014;19:328–35
[8] Tramer MR, Carroll D, Campbell FA, Reynolds DJ, Moore RA, McQuay HJ. Cannabinoids for control of chemotherapy induced nausea and vomiting: quantitative systematic review. BMJ. 2001;323:16–2
[9] Machado Rocha FC, Stéfano SC, De Cássia Haiek R, Rosa Oliveira LM, Da Silveira DX. Therapeutic use of Cannabis sativa on chemotherapy-induced nausea and vomiting among cancer patients: systematic review and meta-analysis. Eur J Cancer Care (Engl) 2008;17:431–43
[10] Priestman TJ, Priestman SG. An initial evaluation of nabilone in the control of radiotherapy-induced nausea and vomiting. Clin Radiol. 1984;35:265–6
[11] Brisbois TD, de Kock IH, Watanabe SM, et al. Delta-9-tetrahydrocannabinol may palliate altered chemosensory perception in cancer patients: results of a randomized, double-blind, placebo-controlled pilot trial. Ann Oncol. 2011;22:2086–93
[12] Haney M, Rabkin J, Gunderson E, Foltin RW. Dronabinol and marijuana in hiv+ marijuana smokers: acute effects on caloric intake and mood. Psychopharmacology (Berl) 2005;181:170–8
[13] Volicer L, Stelly M, Morris J, McLaughlin J, Volicer BJ. Effects of dronabinol on anorexia and disturbed behavior in patients with Alzheimer’s disease. Int J Geriatr Psychiatry. 1997;12:913–19
[14] El-Alfy AT, Ivey K, Robinson K, Ahmed S, Radwan M, Slade D, Khan I, ElSohly M,Ross S. Antidepressant-like effect of delta9-tetrahydrocannabinol and other cannabinoids isolated from Cannabis sativa L. Pharmacol Biochem Behav. 2010 Jun;95(4):434-42
[15] Carracedo A, Gironella M, Lorente M, et al. Cannabinoids induce apoptosis of pancreatic tumor cells via endoplasmic reticulum stress-related genes. Cancer Res. 2006;66:6748–55
[16] Sarfaraz S, Adhami VM, Syed DN, Afaq F, Mukhtar H. Cannabinoids for cancer treatment: progress and promise. Cancer Res. 2008;68:339–42.
[17] Alexander A, Smith PF, Rosengren RJ. Cannabinoids in the treatment of cancer. Cancer Lett. 2009;285:6–12.
[18] Guzman M, Duarte MJ, Blazquez C, et al. A pilot clinical study of delta9-tetrahydrocannabinol in patients with recurrent glioblastoma multiforme. Br J Cancer. 2006;95:197–203
[19] Velasco G, Sanchez C, Guzman M. Anticancer mechanisms of cannabinoids. Curr Oncol. 2016;23:S23–32
[20] Turgeman I, Bar-Sela G. Cannabis Use in Palliative Oncology: A Review of the
Evidence for Popular Indications. Isr Med Assoc J. 2017 Feb;19(2):85-8

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